Die Reisecen e.V.

Projekt Rekonstruktionsversuch und Schnitttest mit einem Falchion

Die Rekonstruktion
Schnitttest ohne Rüstung
Schnitttest mit Gambeson
Schnitttest mit Gambeson (Video)


Das Falchion oder Malchus

Das Falchion ist eine einschneidige Hiebwaffe, welche im deutschen Sprachraum Malchus genannt wird. Das Falchion kann somit auch als Vorgänger des so genannten "Langem Messer" angesehen werden, welches vor allem in späteren Fechtbüchern angesprochen wird.

Das Falchion hat eine einschneidige, breite, schwere Klinge. Die Klinge wird vom Heft zum Ort breiter und im Ortbereich bauchig. Der Klingenrücken verläuft bis zum Ort entweder gerade, oder ist kurz vor dem Ort abgestuft. Das Heft besteht in der Regel aus Holz und ist mit Leder überzogen. Das Parier ist breit und leicht nach unten abgebogen. Der Knauf ist rund gestaltet wobei es auch hier verschiedene Versionen gibt.
(Vgl. George Cameron Stone, Donald J. LaRocca)

Nach eigenen Recherchen dürfte es sich bei dieser Definition - vor allem was das Parier betrifft - aber vor allem um spätere Typen oder gar Ummontierungen (?) handeln. Frühere Abbildung eines Falchions zeigen hier auch die Möglichkeit eines Art Regenschirmgriffs auf.

 

Die Rekonstruktion
 
Auf Basis eines Reliefs an der Porta Romana in Mailand (1167) und in Anlehnung an Abmessung des bekannten Conyers Falchion (welches in der Bibliothek der Kathedrale von Durham aufbewahrt wird), wurde 2008 eine Replik
von Arno Eckhardt (Die Traumschmiede) angefertigt.

Die Vorlagen:


Der Conyer Falchion - Englisch (?) 1257 - 72 (Griff später montiert)


Bodenfund Hamburg - Anfang 14. Jh.

Porta Romana Mailand 1167Detail Falchion
Relief an der Porta Romana Mailand - 1167

Der Rekonstruktionsversuch:

Falchion/Malchus

Form und technische Daten

Klingenform und Grifftyp entsprechend dem Relief der Porta Romana Mailand.
Ein entsprechender Grifftyp kann auch in der Kreutzfahrerbibel wiedergefunden werden.
Klingenabmessungen in Anlehnung des Conyers Falchion.

Unter Berücksichtigung des nicht vorhandenen Knaufs in der geplanten Ausführungsform, wurde aufgrund der damit erwarteten Kopflastigkeit, die Klingenstärke am Rücken zurückgenommen. Auf eine Kehlung wurde gegenüber dem Conyers Falchion ebenfalls verzichtet.

Gesamthaft konnte hiermit eine schnelle Hieb- und Schnittwaffe hergestellt werden, die mit ihrem ungewöhnlichen Grifftyp eine hervorragende Handhabe in einem wattierten Handschutz eingehen kann.

                                Conyers Falchion       Rekonstruktion
                                  (zum Vergleich)

Gesamtlänge:                        89,0 cm                 92,0 cm
Klingenlänge:                         73,4 cm                 75,6 cm
Klingenbreite:                   3,9-10,9cm             5,0-7,5 cm
Gewicht:                                 1300 g                     770 g
Rückenstärke (am Ort):             6 mm                     4 mm
Schneide:                                   scharf ausgeschliffen

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Schnittest ohne Rüstung
 
Noch im gleichen Jahr konnten wir natürlich die Kürbissaison nicht erwarten, hatten wir doch gehört, dass ein Kürbis aufgrund seiner robusten Außenhülle ein gutes "Vergleichsobjekt" abgeben würde. Und so wurden auf unserer Septemberveranstaltung in Hirschhorn die guten Kürbisse vom Bio-Bauern weder für Kürbiscremsuppe noch für aufwendige Schnitzereien, sondern eher für ... nennen wir es einmal profane Schnittkunst verwendet.

Der erste Test verlief überaus erfolgreich und beeindruckend, vor allem da wir beim Aufbau nicht mit diesem durchschlagendem Erfolg gerechnet hatten und uns auch prompt ein allzu neugieriger Abspanner des Vorzeltes zum Opfer fiel. Aber nun wussten wir das auch :-)



                                              Schnittversuch - Hirschhorn 2008

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Schnittest mit Gambeson

Zeit ging ins Land und man(n) war sich schon immer einig, dass der bisher durchgeführte Schnittversuch ohne
(Stoff-)Rüstung nicht wirklich repräsentativ gewesen war. Jetzt musste man allerdings nur noch jemanden finden,
der einen "Opfergambeson" nähte.
Hierfür stellte sich dann im Jahre 2011 erfreulicherweise Jochen zur Verfügung, der aus 12 Lagen Bauernleinen ein Versuchsstück absteppte.

Die Versuchsanordnung:
Um einen auf zwei Strohballen gelegten (doch recht stattlichen) Kürbis, wickelten wir das abgesteppte 12-lagige Versuchsstück, welches wir noch mit zwei Seilen am Kürbis und mit einem Seil am obersten Strohballen fixierten.
Eine weitere Fixierung des Kürbis auf dem Strohballen wurde nicht vorgenommen.

Die Durchführung und Ergebnis:
Aufgrund des schräg von oben geführten Hiebes veränderte der Kürbis seine Position auf dem Strohballen während des Versuches nur unwesentlich. Wie auf den nachstehenden Bildern erkennbar (siehe hierzu auch unsere Bildergalerie Hirschhorn 2011), drang das Falchion nach Durchtrennen des Fixierseils und der 12 Lagen Bauernleinen ohne weitere Probleme bis zur Klingentiefe (ca. 7 cm) in den Kürbis ein.

Vor allem waren wir beeindruckt von der erzielten Tiefe des Schnittes bei gleichzeitiger absolut akkurater Trennung des Bauernleinens, welche wir selbst mit scharfen Scheren in dieser Form nicht erzielen konnten.
Ein solch unparierter Schlag auf einen Oberarm hätte mit Sicherheit tiefste Fleisch -, wenn nicht sogar Knochenverletzungen an einem leicht gerüsteten Soldaten verursacht.

Ein weiteres "Auffüttern" des Gambeson mit mehr Lagen hätte sicherlich ein stärkeres Eindringen verhindert
(siehe hierzu auch unseren Schnittvergleich gegen einen ungeschützten Kürbis, der einfach geteilt werden konnte).
Das Ausbleiben von Schnittverletzungen hätte aber sicherlich auch hiermit nicht verhindert werden können.


                            Vorbereitungen - Hirschhorn 2011





                                Der Hieb - Hirschhorn 2011


    Das Ergebnis - Hirschhorn 2011

Hier gibt es das Ganze noch als Video (bitte enklicken):



                                              Video - Schnittversuch Falchion (Hirschhorn 2011) - ca. 12 MB

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Zum Abschluss gab es dann nochmal zum Vergleich das Ganze ohne Gambeson am gleichen Kürbis.



© Markus Krichel, 2011

Quellen:
George Cameron Stone, Donald J. LaRocca: A Glossary of the Construction, Decoration and Use of Arms and Armor. In All Countries and in All Times. Verlag Courier Dover Publications, 1999

Alexander, J. / Binski, P. ( Hrsg.) - Age of Chivalry – Art in Plantagenet England 1200-1400
Royal Academy of Arts - London 1987

Bilder aus dem Stadtmuseum Hamburg, Stand 2011

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