Böttchern von Daubenschalen
Die fertigen Endprodukte
Daubenschalen fanden als Alltagsgegenstand viel Verwendung. Die Fundlage zeigt eindeutig, dass der Gebrauch derselben viel häufiger vorkam als z.B. der von gedrechselten Bechern. Die Herstellungsweise gibt vielleicht
auch Aufschluss darüber, warum geböttcherte Ware so häufig war. Mit etwas Zeit lassen sich diese Produkte
mit Axt und Messer aus leicht zu verarbeitendem Nadelholz sehr gut selbst herstellen. Man benötigt keine besonderen Werkzeuge wie beim Drechseln und auch keine Drechselbank. Nachfolgend möchte ich die
Herstellung meiner Schalen ein wenig dokumentieren.
Die Herstellung der Dauben beginnt mit der geeigneten Holzauswahl. Es ist darauf zu achten, Nadelholz zu
verwenden da dieses sich sehr gut ausdehnt und dadurch nach der Wässerung eine besonders gute Dichte erhält. Hartholz ist definitiv ungeeignet (ich hab’s probiert, grins). Und auch die Fundlage spricht hier wieder für sich.
Ich habe mir dann einen Abguss machen lassen, der aus einer bestehenden Daubenschale stammt. Ramona war
so nett, mir diesen aus Gips anzufertigen. So konnte durch Bestimmung des Umfanges die Daubengröße fest-
gelegt werden. Diese wurden dann auf den bereitgelegten Brettchen angerissen und die Form ausgesägt.
Es sollte
bei der Auswahl der Brettchen noch beachtet werden, dass die Jahresringe quer zur langen Oberkante stehen.
Zuschnitt der Rohlinge
Da das Biegen besonders dünner Dauben sich als unpraktikabel erwiesen hat, bekommen diese mit einem
Hohleisen innen ihre gewölbte Form.

Formgebung mit dem Hohleisen
Die Formgebung erfolgt genauso auf der Außenseite. Mit einem Stecheisen kann man hervorragend
die
Außenkanten abrunden. Vorausgesetzt, es ist scharf...
Daube vor und nach Außenbearbeitung
Die Dauben müssen nun auf der Innenseite mit einer Rille, der Kimme, versehen werden, um später einen
sicheren Halt des Bodens zu gewährleisten.
Fertige Einzeldaube und die Wiederholungen
Jetzt werden die Dauben auf die Form gelegt und mit Leim zusammengefügt (die Fundlage bestätigt
zahlreiche geleimt aufgesetzte Stücke). Wenn die Schalen geleimt sind, ist auch das Wässern der Schalen
nicht mehr nötig, wenn diese eine Zeit lang unbenutzt bleiben. Nun noch den Boden einleimen und die
Oberkanten der Schale schlichten.
Der Zusammenbau (geleimt)
Es gibt verschiedene Fundlagen was die Weidenringe betrifft, welche die Schale zusammenhalten. Es sind
ein,- zwei,- und dreireihige Ausführungen bekannt. Hier habe ich zwei Reihen gewählt und dementsprechend
die Nuten ausgearbeitet.
Einbringung der äusseren Nuten
Für die Bindung verwende ich Weiden. Geschnitten, halbiert und auf eine Dicke von etwa 2-3 mm gebracht,
werden diese in Wasser eingelegt um sie geschmeidig zu machen. Nach einiger Zeit können die Weiden dann
an den Enden in der ungefähren Ringweite verflochten werden. Dann über die Schale streifen, festziehen
und fertig.
© Jan Altmann, 2009
Quellen:
Volker Vogel, Holzfunde aus dem mittelalterlichen Schleswig, Karl Wachholtz Verlag 2006
U. Müller, Holzfunde aus Freiburg und Konstanz, Theiss Verlag

