Die Reisecen e.V.

Drei Niederadelsburgen am Fuße der schwäbischen Alb

Die Herren von Bol
Die Herren von Mansberg
Die Kyfer von Tiefenbach

Auf unserem Arbeitswochenende an Ostern 2008 wurde eine Wanderung mit Herrn Albrecht Stark vom schwäbischen Heimatbund Nürtingen organisiert. Wir trafen Herr Stark an einem Parkplatz außerhalb von Dettingen/Teck bei bestem Wetter. Die dreistündige Führung brachte uns zu drei Niederadelsburgen, die leider ein wenig in Vergessenheit geraden waren. Dass Dettingen/Teck so reich an nachweislichen Herrenfamilien war, war uns bis zu diesem Zeitpunkt nicht bekannt.

Blick vom Parkplatz auf unsere „Hoimat“. An diesem Mittag konnten wunderbar die drei staufischen Kaiserberge, die Teck und der Hohenneuffen betrachtet werden.


Abb. 1-3: Blick vom Parkplatz aus auf die drei Kaiserberge, die Teck und dann der Hohenneuffen

Herrschaftsgebiete der Niederadelsburgen
Abb. 4: Herrschaftsgebiete der Niederadelsburgen

Die Herren von Bol

Vom Parkplatz aus sind es etwa 20 Gehminuten in den Wald hinein. Zur Burg hin führte der Weg steil abfallend. Schon von ca. 200m Entfernung kann das geübte Auge einen Hügel erkennen, der nicht natürlich wirkt. Dies wird die Grundlage für die Motte gewesen sein. Umgeben von Wallanlagen wirkt der Hügel jedoch recht imposant. Richtung Tiefenbachtal fällt der Hang weiter ab und wird so ein natürlicher Schutz gewesen sein. Leider sind nur noch der künstlich angelegten Erdhügel und der Erdwall vorhanden. Aber trotzdem war es für uns sehr interessant, so eine Hügelanlage mal in der Realität zu bestaunen und den interessanten Ausführungen des Herrn Stark zu folgen. Die Herren von Bol waren die kleinste Herrschaft auf dem Gebiet der ehemaligen Niederadelsburgen. Auf dem Hügel dürfte es nicht mehr Platz gehabt haben, als ein Wohnturm benötigt hätte. Der Platz bemisst in etwa 300 m². Es wurden Holzziegelstücke und Lehmwickel gefunden, jedoch keine Mauerreste. Dies bestätigt unsere Vermutung, dass hier Holzburgen standen, die durchaus üblich waren.


Abb. 5: Sicht vom Hang zur Motte hin


Abb. 6: Deutlich erkennbarer Hügel mit Graben


Abb. 7: Bild von dem Hügel zum Graben hinab und der natürliche Abhang

Die Herren von Bol sind zwar immer wieder in Urkunden des späten 13. und im 14. Jahrhundert genannt, waren jedoch aufgrund der Lage der Burg und des relativ kleinen Anwesens ein recht unbedeutendes Geschlecht. Die Herren von Bol waren Dienstleute der Grafen von Hohenberg. Dieses Grafengeschlecht ist eigentlich bei Nagold im Schwarzwald ansässig. Warum dieses Grafengeschlecht, das sehr gute Dienste für die aufstrebenden Habsburger getan hat, in direkter Nähe zu den Teckern, einen so einfachen Lehnsmann hatten, ist eine interessante Frage, die von uns nicht beantwortet werden kann. Man geht davon aus, dass die Herren von Bol eine Seitenlinie der Besitzer (vielleicht Herren oder Ritter) des Herrenhofes an der Kirche in Dettingen waren, die sich „Münch“ nannten. Eine Familie von Münch stirbt 1920 im Mannesgeschlecht aus und hatte einen namhaften Vertreter in Augsburg. Die Familiennachkommen waren bis 1971 Eigentümer des Schlosses Filseck bei Göppingen. Der Zusammenhang lässt sich über das Wappen herleiten, welches sehr große Ähnlichkeit mit dem der Münch–Herren hatte. Das geteilte Wappen wird spiegelverkehrt dargestellt. Eine Grabplatte der Herren von Bol mit dem Wappen war bis 1945 in der Dettinger Kirche eingelassen. Beim Wiederaufbau der Kirche wurde die Grabplatte wahrscheinlich unglaublicherweise zerschlagen. Die Grabplatte war für den 1313 verstorbenen Ritter Reinhard von Bol angefertigt worden. Die erste urkundliche Erwähnung der Ritter von Bol ist von 1275. Bis Mitte des 14. Jahrhunderts treten immer wieder Urkunden auf, in denen die Herren von Bol genannt sind. Zu der Herrschaft Bol gehörten eine Hofstätte im Tiefenbachtal und mehrere in Dettingen/Teck und ein relativ kleiner Fischweiher direkt an der Burg. Genaueres lässt sich heute kaum noch sagen.

Begeistert von dieser relativ kleinen Burganlage wurden wir von Herrn Stark wieder durch den Wald geführt. Diesmal auf befestigten Wegen. Nach ca. 30 Minuten kamen wir dann bei den Herren von Mannsperg oder auch Mansberg an und konnten deren Anlage bestaunen.

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Die Herren von Mansberg

Als wir an diese Anlage herangingen, war uns schon bald klar, dass diese Burganlage deutlich größer gewesen sein musste. Zuerst konnte man die Vorburg erkennen und im Anschluss daran, durch einen tiefen Graben getrennt, die Hauptburg.

Burganlage der Mansberger
Abb. 8: Burganlage der Mansberger

„Etwa zwei Kilometer westwärts des Dorfes (Dettingen), am östlichen Rand des meist bewaldeten Höhenzugs zwischen dem Lauter– und dem Tiefenbachtal, stößt der Wanderer im Waldteil  Hagacker, unweit der Rauhen Wiesen, auf die deutlich sichtbaren Spuren eines mittelalterlichen Burgstalls. Die Anlage ist umfangreich und zählt zu den bedeutendsten dieser Art im Bezirk. Gegen Norden durch die 10–15 m tief abfallende Schlucht des dort beginnenden Mansberger Grabens hinreichend von der Natur geschützt, wird die rechteckig angelegte Hauptburg (Innenburg) mit 25 mal 15 Metern durch einen drei bis fünf Meter tiefen und sechs bis acht Meter breiten Graben gegen das verhältnismäßig ebenen umliegenden Gelände getrennt. Bei leichtem Schürfen kommen Reste der Grundmauern zum Vorschein, ohne dass sich dadurch ein Grundriss ableiten lassen würde. Neben Ziegelstücken und Lehmwickeln finden sich im Schutt auch zerbrochene Tonkacheln aus den in den Burgen damals verwendeten Öfen bzw. Heizungen.
Die Vorburg ist in der Ausdehnung der Hauptburg kaum zu unterscheiden und schließt sich westwärts an. Die dort sofort ins Auge fallende Vertiefung dürfte auf ein eingestürztes Kellergewölbe hinweisen. Der umschließende Graben hat ähnliche Ausmaße wie die der Hauptburg. Die gesamte Anlage von Haupt– und Vorburg ist dann noch einmal mit einem bis fünf Metern breiten und stellenweise drei bis vier Meter tiefen Graben und mit einem Wall umgeben. Gegen Süden und Westen, in der Richtung der von der Natur ungeschützten Hochfläche, zeichnet sich ein dritter Graben mit einem weithin eingeebneten Wall ab.“

Ein dritter Burgteil schließt sich direkt an die Vorburg an. Dieser etwas kleiner ausgefallene Teil war wahrscheinlich der landwirtschaftliche Teil der Anlage. Die umliegenden, heute bewaldeten Flächen, sind mit Sicherheit damals voll bewirtschaftet worden. Dies gilt für die meisten aller Burggüter. Ebenso für die Burganlage Bol und die Burganlage der Kyfer von Tiefenbach, die wir im Anschluss noch besuchten.


Abb. 9: Bild auf die Mansberger Hauptburg mit Graben und Wall



Abb. 10: Bild auf die Mansberger Hauptburg mit Graben und Wall


Abb. 11: Bild vom Graben/Wall der Hauptburg in Richtung Vorburg/Wirtschaftsgebäude


Abb. 12: Der große Graben und die Hauptburg

Die Mansberger sind ab dem letzten Drittel des 13. Jahrhunderts urkundlich nachgewiesen. Der Flurname Mansberg ist schon seit 1282 verbürgt und damit nachgewiesen. Die Tatsache, dass der Name schon so früh sogar als Flurname auftaucht, kann ein Hinweis sein, dass diese Herrschaft schon deutlich älter sein kann, als dies die Urkunden belegen. Ein Hinweis von den Teckern aus dem 12. Jahrhundert auf deren Ministerialen könnte ein weiteres Indiz dafür sein. Auch die Größe der Burganlage kann darauf schließen lassen, dass nicht die erste Generation der Familie Mansberger Ende des 13. Jahrhunderts in den Herrenstand aufgestiegen ist.

Die Herren von Mansberg treten in vielen Urkunden über zwei Jahrhunderte als Zeugen oder als Partner auf. Teils treten sie im bayerischen Kloster Elchingen bei Augsburg auf, teils als Pächter der Wehrstein in Fischingen bei Sulz am Neckar, was mir bei Recherchen aufgefallen ist. Diese imposante Steinburg wurde 1400 an die Herren von Mansperg (hier so genannt) verpfändet. Wie sie dazu kamen, entzieht sich meiner Erkenntnis. Schon bald wird diese Pfändung in ein Lehen umgewandelt, geht aber schon 1419 wieder an den ursprünglichen „Besitzer“, die Herren von Weitingen, zurück. Diese offene und hochinteressante Frage bleibt weiterhin offen: Wie konnten die Mansberger so eine Burg als Pfand nehmen? Vielleicht kam dies durch eine Verbindung zu den Grafen von Hohenberg zustande. Diese dem Fürstendienst zugänglichen Grafen hatten in der Nähe ihre Hauptländereien. So könnte erklärt werden, dass die Manberger aufgrund ihrer Dienste in dieser Gegend ebenfalls Ländereien hatten. Hier sollte noch erwähnt sein, dass ein Heinrich von Mansberg kurze Zeit Vogt von Nagold gewesen sein soll.
Da die Mansperger auf Seiten der Herren von Teck standen, kam es in der weiteren Geschichte immer wieder zu Konflikten mit den aufstrebenden Grafen von Württemberg. Die Tecker waren mit den Habsburgern verbündet und somit auch mit den Grafen von Hohenberg (vielleicht ein Hinweis darauf, warum die Grafen von Hohenberg in unmittelbarer Nähe zu den Teckern und weit ab ihres Herrschaftsbereiches Ministeriale hatten – die vorhin erwähnten Herren von Bol). Da die Tecker eine Seitenlinie der Zähringer waren, trugen sie immer noch einen Herzogstitel und waren somit immer noch im fürstlichen Rang.

1383 verkauft Herzog Friedrich von Teck die Ortschaft Dettingen an die Mansberger. Damit hatten sie nun Allodialbesitz. Dies wiederholt sich an verschiedenen Orten.

Im Städtekrieg gegen die Württemberger treten die Mansberger 1388 als Widersacher der Württemberger auf. Burkart von Mansberg war Hauptmann der Esslinger Streitkräfte und überfiel Grötzingen, welches württembergisch war. Es gab viele Tote und die Esslinger machten unter der Führung des Mansbergers 56 Gefangene. Die Württemberger gewannen jedoch den Krieg, was zu schwerwiegenden Folgen für die Mansberger führte: Sie traten nach Kriegsende als Dienstleute der Grafen von Württemberg auf.

Der Ausverkauf der Mansberger und deren Besitztümern beginnen um 1420. Schon Mitte bis Ende des 15. Jahrhunderts ist von den Mansbergern nichts mehr zu hören. Es ist der Lauf der Geschichte, dass kleine Ministerialgeschlechter, trotz Ambitionen zu höheren Diensten, ihre Familie nicht über das 15. Jahrhundert retten können. Selbst lokalen Größen wie den Edelfreien oder auch Grafen von Neuffen ergeht ein ähnliches Schicksal.

Unsere höchst interessante Wanderung war noch nicht zu Ende. Weiter ging es nun zu den Kyfern von Tiefenbach oder auch Herren von Tiefenbach. Nach weiteren 20 Gehminuten waren wir an der Burg angelangt. 

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Die Kyfer von Tiefenbach

Die Burg ist relativ in der Mitte des Besitzes gelegen. Natürliche große und tiefe Gräben haben eine künstliche Erdbewegung beinahe überflüssig gemacht. Die Hauptburg ist also zwischen zwei natürlichen Gräben eingebettet und die Fläche darauf ist größer, als die der Mansberger Hauptburg. Sie bemisst in etwa 800 m². Auch die anschließende Vorburg ist geräumig. In ihr standen wahrscheinlich die Wirtschaftsgebäude der Anlage. Auch hier wurden Ziegelstücke, Lehmwickel und anderer Bauschutt gefunden. Auch hier sind keine steinerne Mauerreste nachweisbar. Die Burg wurde wohl deutlich früher als die Mansberger Burg verlassen bzw. aufgegeben. Schon um 1377 war vermutlich der letzte Bewohner der Burg Kyfer von Tiefenbach gestorben. Sie wurde verlassen und dem Verfall preisgegeben.

Burganlage der Kyfer von Tiefenbach
Abb. 13: Burganlage der Kyfer von Tiefenbach

Die Kyfer waren Dienstleute der Herzöge von Teck. Wie schon erwähnt, ist es wahrscheinlich, dass auch die Kyfer bereits um 1150 Zugang zum Ministerialendienst hatten. Dies ist die Zeit der Blüte der Ritter. Die ähnlichen Wappen der Mansberger und der Kyfer lassen eine verwandtschaftliche Beziehung vermuten. Beide tragen Rauten im Wappen; übrigens auch die Herzöge von Teck.
Der früheste urkundliche Nachweis stammt aus dem Jahr 1269. Weitere Bezeugungen folgen 1274 und 1287. Dann erst wieder 1340. Zu dieser Zeit muss es bereits zwei Familienzweige gegeben haben. Der sogenannte Ulrichzweig der Kyfer waren hohenbergische, die Rudolflinie waren teckische Ministeriale.


Abb. 14: Das Burggeländer der Kyfer von Tiefenbach


Abb. 15: Blick auf die Hauptburg mit Graben


Abb. 16: Blick auf die Vorburg mit natürlichem Graben




An dieser Stelle nochmals herzlichsten Dank an Herrn Albrecht Stark und der Regionalgruppe Nürtingen des Schwäbischen Heimatbunds. Ich hoffe, dass wir mit diesem kleinen Artikel die Arbeit von Herrn Stark ein wenig gewürdigt haben. Für uns war es ein sehr lehrreicher und hochinteressanter Mittag und so bleibt ein Stück Heimatgeschichte weiter in Erinnerung. 

© Markus Single 2008

Quellen:
Führung: Albrecht Stark, Nürtingen
Nürtinger Zeitung, Heimatbeilage Nr. 3/1976

Der Schwäbische Heimatbund feiert 2009 seinen 100. Geburtstag!
Mehr dazu findet ihr unter http://www.schwaebischer-heimatbund.de

 

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